Der Gemischtwarenladen von „Makke Mielche"

Neufeldstraße 13 - ehemals Neugasse 75b

NOSTALGIE - Geschichte des Hauses und seiner Erbauer/Bewohner von Heinz Noll
Wir wollen an Hermann Noll, den hier jeder mit seinem Ortsnamen „Schreiner Hermann" kannte und an seine Ehefrau Emilie Noll mit dem Uz-Namen „Marke-Mielche" erinnern. Beide betrieben hier eine „Gemischtwarenhandlung" von 1936 bis 1979 in der es buchstäblich „alles" zu kaufen gab, was in der damaligen 300-Seelen-Gemeinde gebraucht wurde. Bevor hier der Laden (de Lore) mit dem Hausbau im Jahre 1936 eröffnet wurde, war der (als Stubbe-Lade) im Geburtshaus des Vaters (beim Schreiner) nebenan.


Von „siwwe bis siwwe" war der neue Laden nun geöffnet und selbst nach der Ladenzeit kamen viele Kunden „hinnerum". Wann denn nun Zeit übrig blieb für den Haushalt und für die „Aufzucht" der beiden Kinder, mag vielen heutigen Zeitgenossen ein Rätsel sein.
Dass die Familie in den Kriegszeiten noch über 50 Hasen für die Fleischversorgung hielt, deren Grünfutter vor der Ladenöffnung von der Mutter herbeigeschafft und verfüttert werden musste, mag verdeutlichen, dass die „gute alte Zeit" nur in der Verklärung gut war. 
Urlaub war ein Fremdwort - dafür durfte Hermann im Krieg jahrelang viele östliche Länder als Landser auf Staatskosten mit schwerem Gerät „bereisen". 
In den Kriegszeiten war hier im neugebauten stabilen Haus der Luftschutzbunker auch für die näheren Nachbarn. Der Keller war zusätzlich mit dicken Balken abgestützt und mit feuerfesten Türen versehen. Ich erinnere mich auch an die sechs Luftschutzbunker-Betten, die aber gottseidank nie belegt waren.
Als dann Krieg und Gefangenschaft vorbei waren, widmete sich der „Schreiner-Hermann" nebenher – aber mit großem Interesse dem Obstbau. Als Vorsitzender des Land- und Gartenbau-Vereins und als medallienbeladener Kaninchenzüchter war sein Rat gefragt.
Bruder Ade (Adolf), ein Medenbacher Original, hatte für jeden Medenbacher einen Uz-Namen parat – und natürlich auch für seinen Bruder: „de Hardt". Das hatte der abgeleitet von der damaligen ersten Lebensmittel-Ladenkette „Hardt hilft haushalten".
Und woher kam der Uz-Name vom „Makke-Mielche"? Im Krieg gab es Lebensmittel nur auf Marken, die wichtiger als Geld waren. Als die Zeiten besser wurden, gab es wieder Marken – diesmal waren es Rabattmarken. Und da die Mutter immer gewissenhaft mit den Marken umging, war der Name „Macke-Milche" charakteristisch.

Emilie Noll, die fleißige und gewissenhafte Geschäftsfrau starb im Jahre 1983 und wurde 79 Jahre alt. Ihr Lebensinhalt und Mittelpunkt war „de Lore".
Hermann Noll wurde für seine vorbildliche Lebensführung und engagierte Aktivität mit einem hohen Alter von 92 Jahren belohnt. Er starb im Jahre 1996 und ist unvergessen.
Woran sich viele Medenbacher, besonders die Älteren, gerne erinnern: Ende der 1980er Jahre wurde der umgebaute Laden samt Lager an Dr. Springborn vermietet. Aus dem Laden wurde das Wartezimmer und aus dem Lager der Behandlungsraum für die Medenbacher Patienten. Später übernahm die noch blutjunge und „frisch gebackene" Allgemein-Medizinerin Susanne als Tochter vom Ärzte-Ehepaar Springborn die Praxis in Breckenheim und die „Filiale" in Medenbach. Das waren scheinbar die goldenen Zeiten, als Landärzte noch viel Geld verdienten und als besonderen Service den Patienten eine Dependance anbieten konnten.

Was es im „Gemischtwarenladen" (Kolonialwaren-Lager) alles zu kaufen gab:

Lebensmittel (Obst, Gemüse, Heringe im Fass; Zucker, Salz, Mehl – alles lose, unverpackt)
Kaffee wie Onko, Jacobs, Vox-Kaffee, lose in transparenten Sicht-Vorrats-Misch-Behältern   
„Bombo-Gläser" voll bunter Bonbons, Brausepulver, Süßigkeiten, Haribos u. Lutscher
Getränke und Fusel (außer Ebbelwoi und Wasser - das hatten die Medenbacher selbst)
Fleischwaren, Käse (Frischwurst wie z.B. Fleischwurst vom Igstadter Metzger Henninger)
Haushaltswaren (ALLES, aber auch alles, was im Haus gebraucht wurde)
Porzellan – Steingut: Töpfe, Teller, Tassen, Tröge – sogar Sammel-Hochzeitsgeschenke!
Elektroartikel: Lampen, Birnen, Sicherungen, Taschenlampen, Batterien u.a.
Farben, Lacke, Tapeten, Pinsel etc. (Farben wurden vom Hermann gemischt u. angerührt)
Schreibwaren, Bücher (Schulartikel – Schule war nebenan) Neuheit: es gibt jetzt Klopapier
Zeitungen, Illustrierte, Schundromane für 30 Pfennige. (Tom Brox, Billi Jenkings, usw.)
Schusterartikel (Ledersohlen, Absätze, Ahle und Pins, Eisen-Nägel für die „Genoalte".)
Tabakwaren: (Zigaretten im 6er-Pack, Kautabak für Theo, Zigarren und „Stumpe" einzeln)
Textilien und Modeartikel für Mann/Frau/Kind (ab Lager oder auf Bestellung)
Spielzeug – Panzer und Zinnsoldaten für die Buwe, Puppen für die Meedscher
Kriegs- und Saisonartikel z.B. für die Fassenacht oder Gasmaske für de Kriesch
Kurzwaren: Strick- u. Stickwaren, Wolle, Garne, Knöpfe, Bänder, Nadeln, Zwirn u. Stopfgarn 
Drogerieartikel (aber keine Drogen – so was gab’s nicht zu kaufen, die wurden geschroddelt)
Apothekerartikel vom Wundpflaster über Klistier bis Kopfwehpulver und Abführmittel
Eisenwaren (Nägel, Schrauben, Stifte etc., Schlösser u. Schlüssel, Dengelbock und Sense)  
Werkzeug (Zangen, Dengel-Hammer - Schuster-Hammer, Schraubzwingen und -schlüssel
. . . . . . . .  . . . und weiß der Kuckuck, was sonst noch alles.