Die Schmiede von Friedrich und Kurt Wagner
Fritz-Erler-Straße 29 – ehemals Obergasse 28
Die Schmiede von Friedrich Wagner („Schmied Fritz") war im Anwesen seines Bruders August in der damaligen Obergasse 28. Kurt Wagner hatte in Niedernhausen sein Handwerk erlernt und einige Jahre dort gearbeitet (Foto). Er übernahm 1948 nach Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft diesen Betrieb, der schon lange geschlossen war, von seinem verstorbenen Onkel und verlegte ihn 1973 auf das Grundstück Fritz-Erler-Straße 29 (Alte Schule, Altes Rathaus). Bis 1953 arbeitete er mit dem Blasebalg betriebenen Schmiedefeuer, danach wurde es elektrisch betrieben.
In den alten Huf- und Wagenschmieden wurden neben der Herstellung der Eisenreifen für die Wagenräder viele Arbeiten ausgeführt, insbesondere auch das Dengeln (Schärfen) der Sensen und Sicheln. Während der Heu- und Getreideernte dengelte Kurt Wagner täglich bis tief in die Nacht – oft wurde es 24.00 Uhr - 20 bis 30 Sensen und Sicheln mit dem Dengelhammer auf dem Amboss. Ehe Leuchtstofflampen aufkamen, musste eine zweite Person eine Petroleumlampe am Amboss halten, um die Lichtverhältnisse zu verbessern."
Justina Wagner, seit 1950 mit Kurt Wagner verheiratet, erinnert sich an viele Hilfsdienste, die sie Ihrem Mann in der Schmiede leistete: „Beim Aufziehen der heißen rotglühenden Eisenreifen auf die hölzernen Wagenräder, die in einer im Boden des Hofes befestigten „Ahl" (Lasche) eingehängt und festgeschraubt waren, musste ich immer kaltes Wasser aufgießen und löschen, damit die hölzernen Räder nicht verbrannten." In den Fünfzigerjahren wurden Traktoren angeschafft, die gummibereiften Wagen ersetzten die eisenbereiften.
Und natürlich waren die Pferde zu beschlagen. Die Hufschmiede hatten Hufeisenrohlinge, die angepasst wurden, eine große Quälerei für die Pferde. Im Winter wurden diese bei Glätte „umbeschlagen", sie bekamen „Wintereisen".
Während des Krieges und von Kleinbauern wurde mit Fahrkühen oder Ochsen gefahren. Diese erhielten „eiserne Schuhe": Um die Hufe wurde eine Lasche geklappt und festgenagelt.
In den sechziger und siebziger Jahren verloren die Schmieden ihre Bedeutung für die Landwirtschaft. Kurt Wagners Betrieb firmierte als Schmiede und Schlosserei. Er vertrieb Propangas und hatte einige Zeit eine Zapfsäule hinter dem Hoftor. Dort konnte man mit der Handpumpe Treibstoff aus einem 200 Literfass zapfen.
Vermehrt führte er Reparatur-, Installations- und Spenglerarbeiten aus. Bei einer Reihe von im Bau befindlichen Häusern verlegte er Wasserleitungen und Dachkennel. Sein Sohn Norbert Wagner erinnert sich auch noch an zahlreiche Einsätze bei der neu gebauten Autobahntankstelle, besonders die Beseitigung von Verstopfungen.