Über 100 Jahre Landmetzgerei

1884 eröffnete Franz Heinrich Noll I (1852-1939) in der Vordergasse (heute „In der Hofreite") neben seiner Landwirtschaft eine kleine Metzgerei. Und er war Hausschlachter, auch in der näheren Umgebung.

1910 übernahm Franz Heinrich Noll II von seinem Vater die Metzgerei und verlegte sie in die Obergasse 50, in dieses Haus. Er baute einen kleinen Laden, ein Schlachthaus und ein Wohnhaus mit hohen Räumen. Dies entsprach dem Zeitgeist, war aber in Medenbach selten.

1938 übertrug er das Geschäft seinem Sohn August Wilhelm Noll, der mit Ella Wex verheiratet war. Beim „Schwarzschlachten" wurde er verraten und kam in eine Strafkompanie.

Am 6.12.1948 kam „Metzgers Willi" aus der Gefangenschaft zurück. Nur langsam konnte er mit seinem geschwächten Körper 1949 den Metzgereibetrieb wieder übernehmen. Medenbach war ein Bauerndorf und auch Hausschlachtungen wurden noch durchgeführt.

1950 wurde Otto Hois als Lehrling eingestellt, heimatvertrieben aus Wallern.
Die Metzgerei wurde 1959 modernisiert, eine Kühltheke für den Verkaufsraum  angeschafft. Das Sortiment konnte erweitert werden.

Als Wilhelm Noll 1964 mit 56 Jahren starb, führte Otto Hois, seit 1958 Schwiegersohn und inzwischen Meister, den Betrieb weiter.

Otto und Gertrud Hois erkannten die Zeichen der Zeit und entschlossen sich, 1978 ein neues Geschäftshaus zu bauen: einen modernen Verkaufsraum mit großer Kühltheke, drei Kühlhäuser, einen Gefrierraum, Wirtschafts- und Schlachträume. Gertrud Hois erinnert sich: „Nach Eröffnung des neuen Ladens hatten wir viel Absatz.  Zehn bis zwölf Schweine und ein Rind die Woche wurden geschlachtet. Vor Feiertagen war unser Kühlhaus bis oben vollgestellt mit der Feiertagsbestellung."

Zum 100-jährigen Geschäftsjubiläum 1984 wurde der Familienbetrieb mit der Goldenen Stadtplakette ausgezeichnet.

In einer Zeitungsanzeige bot die Metzgerei damals an: „Eigene Schlachtung, Verarbeitung ausgesuchter einheimischer Tiere, Grillspezialitäten, Salate, Partyservice. Über 50 verschiedene Wurstsorten."

Die Erfolgsgeschichte dauerte nur noch einige Jahre. Die Konkurrenz zu Großschlachtereien wurde zu groß. Am 31.12.1988 setzen sich Otto Hois und Ehefrau Gertrud zur Ruhe. Der Betrieb wurde zweimal verpachtet. Die Kundschaft war unzufrieden, sie blieb weg. Otto Hois starb 1994.

Die Konkurrenz durch Fleischabteilungen der Supermärkte und Billigangebote war immer größer geworden. Sohn Reinhold Hois versuchte mit seiner Frau Margit geb. Killmann durch Übernahme und Wiedereröffnung der Metzgerei und einem Angebot an hochwertigem Fleisch, handwerklich hergestellten Wurstwaren und weiteren Spezialitäten der Konkurrenz Paroli zu bieten. Es gelang auf Dauer nicht. Vielleicht war der Ort für ausreichende Nachfrage dieses Angebotes auch zu klein und der Laden lag „nicht auf der Strecke". So endete 2008 die Geschichte der Landmetzgerei in Medenbach.