Die Gastwirtschaft „Zum Taunus“

Die Gastwirtschaft „Zum Taunus" gehörte Anfang des vorigen Jahrhunderts Heinrich Dern, dem „Dernewirt". Sie war in der Obergasse 37 (heute Fritz-Erler-Straße 45)    gegenüber dem Dorfgemeinschaftshaus gelegen. Um 1925 übernahm sie sein Schwiegersohn Heinrich Pfeifer. Nach dessen Tod führte Frieda Pfeifer einige Zeit den „Taunus" und ab 1955 Sohn Eugen. Dieser hatte in Eppstein Metzger gelernt und verkaufte auch ohne Ladengeschäft Fleisch- und Wurstwaren. Daneben betrieb die Familie Landwirtschaft.

Im Parterre war der Gastraum und am Hauseck nach oben wurde vor dem Krieg eine Gartenwirtschaft betrieben. Eugen Pfeifer hatte früh einen Fernseher angeschafft. In eng gestellten Stuhlreihen sahen sich die Medenbacher das Reit- und Fahrturnier, Sportwettkämpfe, Fußballspiele, die Fastnachtssitzung und Filme an. Es soll dann so voll gewesen sein, dass der Wirt im Hinterausgang das Gasthaus verlassen musste und vorne wieder reinging, um Getränke zu holen. Alle drei bis vier Wochen fand ein Schlachtfest statt. Leber wurde immer gern gegessen, und beliebt war dazu das „Schöfferhof-Bier“. Zum Kartenspielen fanden sich die Männer ein. „Wir waren eben eine richtige Bauernwirtschaft, haben unseren eigenen Apfelwein gekeltert und Landwirtschaft betrieben", charakterisiert Eugen Pfeifer den „Taunus". Aufsehen erregte einmal an den Kerbetagen eine Messerstecherei in der Nachkriegszeit.

Oben war der kleine Saal für 70 bis 90 Personen. Dort fanden Theateraufführungen von Schulkindern, Kindermaskenbälle und Veranstaltungen von Vereinen statt. Der „Taunus" war das Vereinslokal der Kerbegesellschaft und der Fußballer, und nach dem Krieg veranstalteten die Heimatvertriebenen im Saal Heimatfeiern. Sonntagmittags traf man sich zum Tanztee mit einer Dreimannkapelle. Der Sänger Berschitt kam aus Igstadt und sang gerne das Lied: „Mein Leben für die Liebe- jawolll!" Werner Fischer erinnert sich an Maskenbälle und dass im Saal heftig getanzt wurde. „Aus statischen Gründen stand ein Riesenpfosten in der Mitte des Gastraumes, um die Decke zu stützen." „Ird" war der Dorfname von Heinrich Pfeifer und bedeutete: Ird emol – erst einmal abstützen oder ird wird gewachst, erst wird der Boden im Saal gewachst." 1958/59 wurde umgebaut, im ehemaligen Saal entstanden Fremdenzimmer. Um 1969 wurde die Gastwirtschaft geschlossen.