Die Gastwirtschaft „Zum Schwanen“ – „Saalbau Zum Schwanen“

Die ehemalige Gastwirtschaft „Zum Schwanen" bestand seit weit über 100 Jahren. In den Jahren 1904 sowie 1949/50 wurde das Gebäude um- und ausgebaut, nach Schließung der Gastwirtschaft zu Wohnungen aufgeteilt und einige Zeit als Filiale von der Raiffeisenbank genutzt. Nach neuer Außengestaltung vor einigen Jahren wurde es zu dem schmucken Wohnhaus, das es heute ist.

Erinnert wird sich in Medenbach noch an den Großvater des heutigen Besitzers Rudi Noll, den „Schwanewirt" und Landwirt Heinrich Noll („Schwanewirts Heine") und dessen Ehefrau Guste geb. Kleber, der das Anwesen gehörte. Gerne genutzt wurde in den zwanziger und dreißiger Jahren die Kegelbahn.

 

Deren Nachfolger wurden Sohn Christof Heinrich Noll (geb. 25.12.1910) mit Ehefrau Emmi geb. Gossmann.

Der „Schwan" war der Dorfmittelpunkt. In der Kriegszeit gab es allerdings wenig Anlässe zu großen Feiern, die Brüder und Männer waren Soldaten, im Saal und in der Halle lagerte Wehrmachtsmaterial.

Der Gastraum war ungefähr 50 qm groß, mit fünf Tischen für bis 50 Personen. Nach dem Krieg wurde dieser mit Sperrholz von Schreiner Kleimann verkleidet, das gegen Lebensmittel aus der eigenen Landwirtschaft geschrottelt worden war.

Samstagabends traf lange Zeit der „Tubak-Seppel" aus Bierstadt mit seinem Beiwagenmotorrad ein und spielte in der Gastwirtschaft mit der Ziehharmonika auf.

Rudi Noll berichtet: „Mein Vater kam in der schlechten Zeit an „Gäuls-Fleisch". Davon machte er Frikadellen. Sonntags kamen dann immer die Handballer aus Eppstein mit dem Holzvergaser zum Frikadellenessen."

Als die Zeiten sich gebessert hatten, gab es Brezel, Soleier, Trumpf-Schokoriegel, kleine Speisen, Äppelwoi und andere Getränke. Zur Kerb wurde geschlachtet, es gab dann Hausmacher Wurst, Bratwurst und Schnitzel.

Lange Zeit war der Billardtisch sehr beliebt, danach konnte Tischfußball gespielt werden, und natürlich gehörten später eine Musikbox und der „Einarmige Bandit“ zur Ausstattung. Schon 1953 hatte der Schwanenwirt einen Fernseher angeschafft, der in einer Ecke auf einem Holzbrett seitlich fast unter der Decke hing. An den Samstagen saßen die Gäste oft in Reihen und schauten sich das Fernsehprogramm an. Höhepunkte waren die Fußballweltmeisterschaft 1954 und 1962 der sechsteilige „Straßenfeger" „Das Halstuch" mit Heinz Drache, Hellmut Lange, Dieter Borsche, Horst Tappert u.a.

Das Besondere am „Schwanen" waren aber die beiden Säle. Der Kleine Saal hatte 60 bis 70 Plätze, der 1950 hinzugekommene Große Saal bot über 200 Personen Platz. Mit einem Rollo konnte man die beiden Räume trennen. Das war im Winter wichtig, wenn Versammlungen und Sitzungen im Kleinen Saal stattfanden und mit dem Ofen geheizt werden musste. Über 300 Gäste konnten feiern, wenn beide Säle verbunden waren. Auch der Hof wurde bei geeignetem Wetter einbezogen. Man war jetzt der „Saalbau zum Schwanen".

An die Nachkriegszeit im Schwanen ist bei vielen Medenbachern die Erinnerung noch sehr lebendig: an die Gründung der Kerbegesellschaft „Immergrün" 1946, viele Maskenbälle und Kindermaskenbälle. Der Fastnachtsdienstag mit seinem von der Feuerwehr organisierten Umzug und dem Lumpenball am Abend war der Höhepunkt. Bei der großen Veranstaltung vom 17.- 19.6.1950 feierte der „Gesangverein Eintracht 1875" sein 75-jähriges Bestehen. Damals war der Hof einbezogen und mit Planen überspannt.

Unvergessen ist auch das große Turnfest anlässlich des 60-jährigen Jubiläums des Turnvereins vom 30.6. - 2.7.1951. Die Turnstunden fanden damals im Großen Saal statt.

Die vielen Theateraufführungen mit Stücken wie „Der Herrgottsmantel", „Der Wilddieb“, „Gold unter der Linde", „Der Kantor von Hochkirch", „Der Lebkuchenmann" oder „Mariandel" mit Rosel Braun sind in der Erinnerung auch heute noch lebendig. Ebenso die vielen Filmvorführungen („Die Geierwally" – „Der Förster vom Silberwald" – „...reitet für Deutschland" mit Willy Birgel – Drei Teile des Kriegsfilmes 08/15 - Filme über Boxkämpfe).

Der Landfrauenverein wurde im Juni 1956 im Schwan gegründet, die Jahreshauptversammlungen der Gartenbauzentrale, der Ortsbauernschaft, der Milchabsatzgenossenschaft, der Raiffeisenkasse fanden dort statt - und viele Ereignisse mehr.

Der Krieg war schon einige Zeit vorbei, die Lebensverhältnisse normalisierten sich, es gab Arbeit, man holte gutes Essen und Trinken und das Festefeiern nach.

Ernst Dambmann schreibt in seinen Erinnerungen: „Unser beliebter Gastwirt Chr. Heinrich Noll, der Schwanenwirt, starb im April 1959 mit erst 49 Jahren. Er hatte Alkohol getrunken und Kalkstickstoff gestreut. (Sohn Rudi, damals erst 22 Jahre alt, weiß von den Folgen einer Gallenentzündung.) Bei ihm waren wir in unserer Jugend wie zu Hause. Hier war immer Unterhaltung. Vor allen Dingen, wenn die Stammgäste da waren."

Nach dem Tod des Schwanenwirts im Jahre 1959 führte die Ehefrau die Gastwirtschaft noch einige Zeit weiter, an die großen Zeiten konnte aber nicht mehr angeknüpft werden. Die veränderten Lebensumstände im Dorf, der eigene Fernseher, die Arbeit außerhalb: All dies führte dazu, dass der Schwan geschlossen wurde.